Die Standardtherapie EKT

Auszug aus: Die Elektrokrampftherapie: Theorie und Praxis. Offizielles EKT-Konsensuspapier der ÖGPP (Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie). Neuropsychiatrie 2004, 17: 1-18:

Die EKT hat ein sehr breites Wirkungsspektrum und zeichnet sich durch raschen und zuverlässigen Wirkungseintritt bei hohem Sicherheitsprofil vor allem gegenüber Antidepressiva aus. Deshalb kommt ihr in Abhängigkeit von der Akuität, vom Schweregrad und von der Komplexität einer psychischen Störung eine besondere therapeutische Rolle zu. Eine Vielzahl nationaler und internatonaler wissenschaftlicher Untersuchungen aus mehr als 60jähriger Forschungsarbeit weist die EKT als Methode aus, die nach den Kriterien der evidence based medicine abgesichert, wirksam und anwendbar ist. Die EKT zählt zu den effektivsten und risikoärmsten Therapieformen in Narkose. […] Bei der schweren depressiven Episode mit Agitiertheit, psychomotorischer Hemmung und/oder psychotischen Symptomen gilt EKT als zuverlässig wirksame Behandlungsform. Unabhängig davon, ob eine einzelne depressive Episode, ein monopolar wiederkehrender oder ein bipolarer Verlauf vorliegen, darf mit 70-90%iger Erfolgswahrscheinlichkeit gerechnet werden. Bei Vorliegen von Wahnideen, Halluzinationen oder depressivem Stupor hat die EKT eine Erfolgsrate von 82%. Antipsychotika führen im Vergleich lediglich in der Hälfte der Fälle, Antidepressiva nur bei einem Drittel zu einer klinischen Besserung. Erst die Kombination von Antidepressiva mit Antipsychotika hat annähernd gleiche Erfolgsaussichten. Der rasche Wirkungseintritt der EKT legt ihre Verwendung bei akuter Suizidalität oder Nahrungsverweigerung im Rahmen einer depressiven Episode nahe. Trotz methodischer Einschränkungen kann davon ausgegangen werden, dass die EKT bei Patienten mit therapieresistenter Depression den anderen somatotherapeutischen Strategien überlegen ist. [S.2f.]*

Bei Vorliegen des sogenannten „katatonischen Dilemmas“ (Anm. d. A. „perniziöse Katatonie“) ist der EKT als möglicherweise lebensrettendem Therapeutikum der Vorzug im Bewusstsein zu geben, da damit auch ein MNS adäquat behandelt werden kann. [S.4] (Anm. d. A. Die EKT ist in dieser Fallkonstellation die einzige Therapie, die das Leben des Patienten sicher zu retten in der Lage ist.)

Bundesärztekammer, „Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme“, 2003, S.1f. :

„Ein Verzicht auf die EKT würde eine ethisch nicht vertretbare Einschränkung des Rechtes von häufig suizidal gefährdeten, schwerstkranken Patienten auf bestmögliche Behandlung bedeuten, […] [Die EKT] stellt bei richtiger Indikation die am schnellsten und am häufigsten wirksame Therapieform dar, die unter Umständen lebensrettend sein kann.

Bericht des Ausschuss für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung (Sachsen-Anhalt, 14. Bericht, 2007):

EKT ist das derzeit wirksamste Verfahren zur Depressionsbehandlung, gut verträglich und risikoarm insbesondere auch bei älteren Patienten, die Psychopharmaka generell schlechter vertragen. Sie ist als lebensrettendes Verfahren bei perniziöser Katatonie unverzichtbar. Für manche Patienten mit chronischen Schizophrenien, bei denen die Behandlung mit Neuroleptika versagt hat, bietet sie eine Besserungschance.

Die aktuellen, medizinische, Richtlinien zur Behandlung von Depressionen sind in der S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie – Unipolare Depression (2012) niedergeschrieben. Die höchste Empfehlungsstufe für eine Therapie in dieser Leitlinie ist „A“. Hierunter fallen unter anderem Psychotherapie und medikamentöse Behandlung bei den verschiedenen Formen von Depressionen. Ebenfalls unter die höchste Empfehlungsstufe „A“ fällt die Elektrokonvulsionstherapie für die folgende Indikation (Langfassung, S.39) :

EKT soll bei schweren, therapieresistenten depressiven Episoden als Behandlungsalternative in Betracht gezogen werden.

Die Elektrokonvulsionstherapie/Elektrokrampftherapie (EKT) zählt demzufolge zu den unverzichtbaren Standardtherapien in der Psychiatrie – neben Psychotherapie und Psychopharmakologie.

Die S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie – Unipolare Depression, legt somit die (Mindest-)Standards der Behandlung von Depressionen fest. Die Standards werden kontinuierlich weiterentwickelt und dem aktuellen Stand der Forschung angepasst. Herausgeber der Leitlinien sind praktisch alle Fachgesellschaften in diesem Bereich:

Bundesärztekammer (BÄK);
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV);
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF);
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ);
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN);
Bundespsychotherapeutenkammer (beratend) (BPtK);
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK);
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAGSHG);
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM);
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM);
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs);
Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW);
Deutsche Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (DFT);
Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP);
Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT);
Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT);
Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG);
Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV);
Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV);
Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie (DVT);
Deutscher Hausärzteverband;
Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG);
Kompetenznetz Depression, Suizidalität (KND)
*Coffey/Kellner; The American Psychiatric Publishing Textbook of Geriatric Neuropsychiatry, Third Edition, 2011, S.2: ECT is reported to be 20%–45% more effective than pharmacotherapy for depression (see review by Abrams 2002b), as confirmed in two meta-analyses (Janicak et al. 1985; U.K. ECT Review Group 2003). This same therapeutic superiority of ECT over antidepressant pharmacotherapy has also been demonstrated in elderly patients (Folkerts et al. 1997; Salzman et al. 2002). No somatic therapy for depression has been shown to have efficacy superior to that of ECT (Sackeim 2005).