Anwendungsbereiche

Bei folgenden psychiatrischen Erkrankungen ist die EKT die Therapie der ersten Wahl:

  1. wahnhafte Depression, depressiver Stupor, schizoaffektive Psychose mit schwerer depressiver Verstimmung,
  2. Major Depression mit hoher Suizidalität oder Nahrungsverweigerung,
  3. akute, lebensbedrohliche (perniziöse) Katatonie

Als Therapie der zweiten Wahl ist die EKT angezeigt bei:

  1. therapieresistenter (pharmakoresistenter) Major Depression, somit nach Applikation von mindestens zwei verschiedenen Antidepressiva möglichst unterschiedlicher Wirkstoffklassen in ausreichender Dosierung und zusätzlichem therapeutischem Schlafentzug,
  2. therapieresistenten, nicht lebensbedrohlichen Katatonien und anderen akut exazerbierten schizophrenen Psychosen nach erfolgloser Neuroleptika-Behandlung,
  3. therapieresistenten Manien nach erfolgloser Behandlung mit Neuroleptika, Lithium oder Carbamazepin.

Seltenere Indikationen können therapieresistente schizophreniforme Störungen, therapieresistente schizoaffektive Störungen, therapieresistente Parkinson-Syndrome und das maligne neuroleptische Syndrom sein.

[Auszug aus: Bundesärztekammer, „Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme“, 2003, S.3]

Die EKT kommt als Therapie der ersten Wahl zum Einsatz, wenn psychiatrische Störungen lebensbedrohlich sein sollten oder Situationen, in denen die Therapie mit Medikamenten mit einem deutlich höheren Risiko verbunden ist:

  • eigen- und fremdgefährdendes Verhalten
  • Stupor (Starrezustand des Körpers bei wachem Bewusstsein) mit Nahrungsverweigerung
  • körperliche Erschöpfung bei schwersten psychiatrischen Erkrankungen
  • Begleiterkrankungen in der Schwangerschaft [Anm. d. A.: Im Gegensatz zur EKT, dürfen die meisten Psychopharmaka bei Schwangerschaft nicht angewendet werden]
  • Therapiereszistenz

Die EKT kommt bei einigen wichtigen psychiatrischen Krankheitsbildern als Therapieverfahren zweiter Wahl zum Einsatz, wenn Medikamente beim Patienten nicht wirken:

  • schwere depressive Störungen, insbesondere der melancholische Subtyp
  • schwerste Manien (krankhafte Hochstimmung)
  • chronische therapieresistente schizophrene Psychosen
  • katatone Psychosen (geprägt durch motorische und emotionale Symptome)
  • malignes neuroleptische Syndrom (seltene Nebenwirkung nach Einnahme von Neuroleptika)
  • psychotische Syndrome organischer Ursache
  • therapieresistente Delire (Bewusstseinseintrübung)
  • akinetische Krise bei Morbus Parkinson (plötzlich eintretende völlige Bewegungsunfähigkeit)
  • Status epilepticus (außergewöhnlich lange andauernder epileptischer Anfall oder eine Serie von Anfällen)
  • Dämmerzustandnach einem epileptischen Anfall

[Auszug aus: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung  (DGKN), „Elektrokrampftherapie“ in: Klinische Neurophysiologie – Zeitschrift für Funktionsdiagnostik des Nervensystems, 2009; 40(2): 149-154]